Nach der Wende

09.11.1989 | Die Feuerwehr Heiligenstadt nach dem Fall der Mauer

In Folge der Öffnung der innerdeutschen Grenze und der deutschen Wiedervereinigung stand die Feuerwehr Heiligenstadt vor neuen Herausforderungen. Beschränkte sich ihre Tätigkeit bisher weitgehend auf den Brandschutz, vergrößerte sich das Aufgabengebiet mit der Wende deutlich. Technische Hilfeleistungen, wie Verkehrsunfälle, Ölspuren und Gasmessungen, nahmen nun einen breiten Raum ein. Rasch mussten die hierfür erforderliche Ausrüstung beschafft und die Einsatzkräfte daran geschult werden. Mit der deutschen Einheit ergaben sich zudem tiefgreifende organisatorische Veränderungen. Fortan war die Feuerwehr nicht mehr der Polizei unterstellt. Mit dem Thüringer Brand- und Katastrophenschutzgesetz und der Feuerwehrorganisationsverordnung schuf man 1992 die Grundlagen für die noch heute bestehenden Strukturen.

Bereits drei Wochen nach der Grenzöffnung hatte eine Delegation der Feuerwehr Heiligenstadt die Kameraden im benachbarten Witzenhausen besucht. Gezeigt wurde dabei auch der Umgang mit "Schere und Spreizer"; Rettungsgeräte, über die die Gäste aus der DDR damals noch nicht verfügten. Bei einem Gegenbesuch wurde der Erfahrungsaustausch fortgesetzt und die Abordnung aus Witzenhausen konnte sich ein Bild von der Ausstattung der Heiligenstädter Wehr machen.

April 1990 | Hilfsrüstwagen HRW

Aus Erfurt erhielt die Feuerwehr Heiligenstadt einen Lkw vom Typ Robur LO. Es handelte sich um ein Fahrzeug der aufgelösten Betriebskampfgruppen. Es wurde rot umlackiert und in Eigenleistung zum Hilfsrüstwagen HRW für die Unfallrettung und Öleinsätze umgebaut. Im Oktober ergänzte man die Beladung des HRW um einen hydraulischen Rettungssatz, der bis dahin bei der Feuerwehr Jesberg in Hessen im Einsatz gewesen war. Dieser ermöglichte das Befreien eingeklemmter Personen nach Verkehrsunfällen. Am 25.10.1990 fand in Heiligenstadt die erste Ausbildung an „Schere und Spreizer“ statt.

01.06.1990 | Feuerwehrverein wiedergegründet

Nach über fünf Jahrzehnten konnte in Heiligenstadt wieder ein Feuerwehrverein gegründet werden. Durch Eintragung in das Vereinigungsregister des Kreisgerichtes galt der Verein nun als rechtsfähig. Seither bildet der Feuerwehrverein eine wichtige Stütze der Freiwilligen Feuerwehr Heiligenstadt. Erster Vorsitzender war der Kamerad Albrecht Opfermann. Sein Nachfolger wurde im November 1994 der Tischlermeister Franz Hey, der über 16 Jahre hinweg die Geschicke des Vereins lenkte. Ende 2010 wählten die Vereinsmitglieder den Bäckermeister Michael Stitz zu ihrem neuen Vorsitzenden.

28.01.1991 | Hilfsrüstwagen HRW 1

Der Feuerwehr Heiligenstadt wurde ein zum Hilfsrüstwagen HRW 1 umgebautes ehemaliges Armeefahrzeug Robur LO 2002 A, Baujahr 1980, zugeteilt. Das Katastrophenschutzfahrzeug ersetzte den bisherigen HRW, welchen die Feuerwehr des Ortsteils Kalteneber als Löschfahrzeug übernahm.

03.05.1991 | Rettungsleitstelle nimmt Betrieb auf

Die im Feuerwehrgebäude durch den Landkreis errichtete Rettungsleitstelle nahm ihren Betrieb auf. In der bei ihrer Übergabe modernsten Leitstelle in Thüringen liefen fortan die Notrufe für Feuerwehr und Rettungsdienst auf. Von zwei Arbeitsplätzen aus wurden die Einsatzfahrzeuge und Helfer alarmiert und per Funk koordiniert. Von den in diesem Zuge beschafften 30 Funkmeldeempfängern erhielt die Heiligenstädter Wehr 14 Stück. Die so genannte stille Alarmierung ermöglichte es, die Kameraden im Einsatzfall per "Pieper" zu benachrichtigen. Mitte 1996 zog die Leitstelle dann in das Landratsamt um.

04.07.1991 | Gründung der Jugendfeuerwehr

Der neu gegründeten Jugendfeuerwehr gehörten 11 Jungen und 2 Mädchen an. Zum ersten Jugendfeuerwehrwart wählten die Aktiven Guido Werner. Unter seiner Regie wuchs die Jugendabteilung auf über 20 Mitglieder an. 1999 übernahm der leider viel zu früh verstorbene Gereon Hüther die Leitung und warb dafür, "die Arbeit der Jugendfeuerwehr noch transparenter und vor allem noch ansprechender für junge Leute zu machen." Mit der gleichen Zielsetzung trat Alexander-Raphael Beck im März 2001 die Nachfolge an. Kontinuierlich wurden Freizeitangebote und Ausstattung ausgebaut. Dass man 1991 die Zeichen der Zeit richtig erkannt hatte, zeigt sich in der Tatsache, dass heute rund die Hälfte der Heiligenstädter Feuerwehrleute der Jugendfeuerwehr entstammt.

15.09.1991 | Löschgruppenfahrzeug LF 16-TS

Ein vom Bund für den Katastrophenschutz bereitgestelltes Löschgruppenfahrzeug LF 16-TS wurde feierlich an die Feuerwehr Heiligenstadt übergeben. Der Mercedes war das erste Einsatzfahrzeug aus westdeutscher Produktion und wird bis zum heutigen Tag genutzt. Es ist derzeit im Ortsteil Günterode stationiert.

15.05.1992 | Einsatzleitwagen und Gerätewagen-Nachschub

Der schon im Oktober 1991 beschaffte Einsatzleitwagen ELW 1 und ein Gerätewagen Nachschub GW-N wurden an die Feuerwehr übergeben. Mit Funk, Fax und Telefon ausgestattet, leistete der ELW 1 bis 2011 gute Dienste. Zum Transport von Geräten und Material wird der GW-N noch immer genutzt.

23.09.1992 | Gefahrguttransporter stürzt in die Leine

Gegen 10 Uhr war ein mit 24.300 Litern Cyclohexanon beladener Tanklastzug auf der B 80 bei Arenshausen von der Leinebrücke in den Fluss gestürzt. In der Folge trat ein Teil des entzündbaren und giftigen Stoffes aus. Der Lkw-Fahrer blieb unverletzt. Einem Anwohner gelang es, einen Entstehungsbrand im Motorraum zu löschen. Da weder die örtliche Wehr noch die der Kreisstadt zu dieser Zeit im Besitz der notwendigen Gefahrgutausrüstung waren, eilte Hilfe aus dem Kreis Göttingen herbei. Aufgrund der Explosionsgefahr mussten die Bundesstraße gesperrt und umliegende Häuser evakuiert werden. Rund 250 Helfer waren an dem von Kreisbrandinspektor Pütz geleiteten Einsatz beteiligt. In der Nacht gelang es schließlich, das Fahrzeug mit Hilfe von zwei 100-Tonnen-Kränen zu bergen.

15.01.1993 | Verkehrsunfall mit Todesfolge

In den 1990er Jahren war die Feuerwehr Heiligenstadt häufig bei schweren Verkehrsunfällen gefordert. So auch zwischen Siemerode und Bischhagen, wo gegen 7 Uhr ein Pkw und ein Lkw auf spiegelglatter Fahrbahn kollidiert waren. Die Kameraden befreiten die eingeklemmte Pkw-Fahrerin, für die jedoch jede Hilfe zu spät kam.

18.09.1993 | Feuerwehrtechnische Orientierungsfahrt

Die Idee einer feuerwehrtechnischen Orientierungsfahrt brachten die Heiligenstädter aus Hennef mit. Fünf Teams nahmen an der ersten dieser Art in der Kreisstadt teil. Dabei belegte die Feuerwehr Kalteneber Platz 1. Bis 2000 fand der Wettstreit sechs Mal mit bis zu 13 teilnehmenden Gruppen statt.

07.07.1994 | Drehleiter DLK 23-12

Offizielle Übergabe einer modernen Drehleiter DLK 23-12 auf Mercedes-Fahrgestell. Das mit Rettungskorb und einem auf 30 Meter Länge ausfahrbaren Leiterpark ausgestattete Fahrzeug löste die technisch veraltete DL 30 ab. Die Investition von 800.000 DM wurde durch die Stadt mit Zuschüssen des Freistaates und des Kreises finanziert.

22.11.1995 | Schlauchwagen SW 2000-Tr

Die Feuerwehr Heiligenstadt kam in den Besitz eines weiteren Fahrzeuges für den Katastrophenschutz (KatS). Zusammen mit dem LF 16-TS ist der Schlauchwagen SW 2000-Tr heute Bestandteil des KatS-Einsatzzuges 2 des Kreises. Von 2011 bis 2014 war er bei der Feuerwehr Günterode im Dienst.

20.06.1996 | Status einer Stützpunktfeuerwehr erhalten

Der Kreistag beschloss das noch heute gültige Stützpunktfeuerwehrkonzept. Dadurch erhielt die Feuerwehr Heiligenstadt neben sechs weiteren Wehren im Landkreis den Status einer Stützpunktfeuerwehr. Als solche steht sie den örtlichen Feuerwehren zur Seite, wenn deren Leistungskraft im Einsatzfall nicht ausreicht. Dies geschieht in erster Linie mit speziellen Geräten und Sonderfahrzeugen, welche der Kreis bereitgestellt oder mitfinanziert hat. Innerhalb von 20 Minuten nach Alarmierung muss die Stützpunktwehr an jedem Ort im festgelegten Bereich Hilfe leisten können. So zum Beispiel mit Drehleiter oder Rüstwagen.

Notwendig war das Konzept geworden, da der Landkreis mit Inkrafttreten des Thüringer Brand- und Katastrophenschutzgesetzes vom 07.01.1992 zum Aufgabenträger des überörtlichen Brandschutzes und der überörtliche Allgemeine Hilfe wurde. Zu seinen Aufgaben zählten nun die Planung von Stützpunktfeuerwehren sowie die Bereitstellung der dafür erforderlichen baulichen Anlagen, Einrichtungen und Ausrüstungen. Im Jahr 2005 war die Umsetzung des Konzeptes abgeschlossen.

01.07.1996 | Rüstwagen RW 1

Die Stadt hatte sich an einer Landesbeschaffung beteiligt und für ihre Feuerwehr einen Rüstwagen RW 1 auf MAN-Fahrgestell gekauft. Dadurch konnte der RW 1 des Katastrophenschutzes, den die Feuerwehr am 27.10.1994 als Nachfolger für den Hilfsrüstwagen erhalten hatte, an die Stützpunktfeuerwehr Ershausen abgegeben werden.

11.11.1996 | Toter bei Wohnungsbrand

Ein Wohnungsbrand in der Schlaggasse forderte ein Todesopfer. Gegen 5 Uhr ging der Alarm bei der Feuerwehr ein. Das Feuer beschränkte sich auf das Wohnzimmer im Obergeschoss des Hauses und konnte rasch unter Kontrolle gebracht werden. Im selben Raum fanden die Einsatzkräfte einen Mann auf, der sich zum Zeitpunkt des Brandes allein im Gebäude aufhielt. Für ihn kam jede Hilfe zu spät, er war an einer Rauchgasvergiftung gestorben.

29.06.1997 | Stromausfall nach schwerem Unwetter

Ein heftiges Gewitter mit orkanartigen Böen und Starkregen zog am Sonntagabend über das Eichsfeld. Mehrere umgestürzte Bäume und ein vollgelaufener Keller beschäftigten die Feuerwehr Heiligenstadt ab 21.30 Uhr. Zwei Minuten später fiel in der gesamten Stadt der Strom aus, weil der Mast einer 110-kV-Leitung zwischen Heiligenstadt und Westhausen dem Sturm nicht standgehalten hatte. Vier Personen mussten durch Einsatzkräfte der Feuerwehr aus einem steckengebliebenen Aufzug in der Kurparkklinik befreit werden. Im Laufe des nächsten Tages folgten drei weitere unwetterbedingte Einsätze.

12.08.1998 | Impulslöschgerät IFEX 3000

Die Feuerwehr erhielt ein IFEX 3000. Das tragbare Gerät erzeugte aus geringen Mengen Wasser stoßweise feinen Nebel mit hoher Löschwirkung. Wegen verschiedener Nachteile bewährte sich das IFEX in der Praxis jedoch nicht.

28.08.1999 | Brandserie aufgeklärt

Eine Serie von Containerbränden, die die Feuerwehr Heiligenstadt seit Juni beschäftigt hatte, und ein Strohmietenbrand wurden an diesem Tag aufgeklärt. Der 21-jährige Täter legte ein Geständnis ab. Die Nachricht löste bei den Kameraden Erleichterung und zugleich tiefes Entsetzen aus. Denn der Brandstifter war ein Feuerwehrmann aus den eigenen Reihen. Auf die Spur des Gesuchten hatten Hinweise von Wehrmitgliedern geführt. Ihnen war der später als Täter ermittelte bei dem Strohmietenbrand auf einem abseits gelegenen Grundstück durch außergewöhnliche Ortskenntnis aufgefallen.

18.11.1999 | Löschgruppenfahrzeug LF 16/12

Im Rahmen einer Feierstunde wurde das Löschgruppenfahrzeug LF 16/12 in Dienst gestellt. 495.000 DM kostete das für die Brandbekämpfung und technische Hilfeleistung ausgestattete und somit universell einsetzbare LF 16/12. Dadurch wurde es in den folgenden 15 Jahren zum wichtigsten Erstangriffsfahrzeug der Feuerwehr Heiligenstadt.